Amalia, meine Crocs und bitte alles mit Trüffeln

Ich werde jetzt für die nächsten zwei Wochen sehr wahrscheinlich immer einen Tag hinterher hängen und ich habe gerade beschlossen, dass das verspätete Tagebuchbloggen eine Kunstform und somit alles in Ordnung ist.

Vorübergehend Zuhause | Das Haus, in dem wir die nächsten zwei Wochen leben werden liegt im Dörfchen Žminj und hört auf den klangvollen Namen Amalia. Amalia ist ein sehr altes, liebevoll in Stand gesetztes istrisches Steinhaus, in dem wir vier Reisenden reichlich Platz haben. Zum Haus gehört ein Innenhof mit Spielhaus, der nach allen Seiten abgetrennt ist, so dass die Kinder draußen spielen können, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen, dass sie auf die Straße laufen könnten. Immerhin EINE Sorge, die wir uns nicht machen müssen, wenn die Kinder im Hof spielen!

Das Haus hat zweieinhalb Etagen, unten befinden sich das Wohnzimmer und die große Wohnküche, auf halber höhe liegt der große Raum, in dem die Kinder schlafen, weiter oben dann das Bad und das Schlafzimmer. Uns mangelt es hier wirklich an (fast) nichts und unsere Gastgeberfamilie ist sofort zur Stelle, wenn wir was brauchen. So wie heute zum Beispiel Holz für den Kaminofen, weil es in so alten istrischen Steinhäusern im April doch noch ganz schön zapfig ist und wir darauf nicht wirklich vorbereitet waren. Aber mit dem Kaminofen, reichlich Wolldecken und den Klimageräten, die mehr wollen als können, kommen wir ganz gut zurecht, zumal wir tagsüber ohnehin meistens unterwegs sind. Dem kleineren der kleinen Herren scheint der Name Amalia allerdings nicht zu gefallen. Für ihn ist das Haus jetzt „da, wo Deine Crocs sind, Mama“.

Rovinj | Nachdem wir gestern von Villach aus gut nach Žminj durchgekommen sind und wir unseren Kühlschrank ohnehin noch mit dem Nötigsten füllen mussten (wobei uns dort bereits istrische Wurst und Weißwein erwarteten und außerdem Schokoeier im Haus verteilt waren), machten wir uns auf den Weg nach Rovinj, einem wirklich malerischen (und ein bisschen touristischen) Küstenort nicht weit von hier. Dort angekommen wunderten wir uns über merkwürdige Bewegungen im Hafenbecken. Wir beobachteten Schnellboote, die von vermummten Menschen auf Jet Ski verfolgt wurden und wurden Zeuge einer großen Explosion auf einem Kutter, der auch dazu zu gehören schien. Nachdem an Land überall wichtig aussehende Männer mit Lanyards und Walkie Talkies rumstanden und dass Geschehen beobachteten war schnell klar: Hier wird ein Film gedreht. Völlig klar, dass wir nun wissen wollten, was für einer, aber natürlich war das nicht so ohne Weiteres aus den Herumlungernden herauszubekommen.

Are they making a movie?

Yes!

What kind of movie?

Action movie.

Croatian movie or international movie?

International.

Mehr war nicht herauszubekommen, ohne dass er uns anschließend hätte töten müssen. Wir ließen von ihm ab, weil wir nicht genau wussten, wie viel zu viel war und schlenderten durch das schöne Städtchen. Auf dem Markt, der ganz sicher nur für leichtgläubige Touristinnen wie mich aufgebaut worden ist, ging ich einem Verkäufer auf den Leim und deckte ich mich erst Mal mit allerlei Trüffelprodukten ein, auch wenn mit Trüffel eigentlich gar nichts bedeuten. Aber ihm bedeutete es viel, dass ich ihm was abkaufte. Und man will sich ja nicht gleich in ganz Kroatien unbeliebt machen. Da ich mit der Währungsumrechnung ohnehin so meine liebe Mühe hatte (ich musste beim Geld ziehen, dreimal abbrechen, weil es immer viel zu viel gewesen wäre), gingen mit die Kuna aus hilflos locker aus der Hand und ich fürchte, dass man mir das ansah. Nach meiner erfolgreichen Trüffelsuche schlenderten wir noch ein wenig durch die Gässchen und trafen dort immer wieder auf Männer mit Lanyards und anderes Filmequipment. Jeder Belanyardete, der uns über den Weg lief wurde schamlos angesprochen, alle antworteten gleichermaßen einsilbig. Zum Schluss trafen wir aber auf einen Anwohner, der zum Reden bereit war: Hier wurden gerade Szenen für den Film „The Hitman’s Wife’s Bodyguard“ mit Salma Hayek und Samuel L. Jackson gedreht. Und das alles nur für uns! Nachdem wir unseren Wissensdurst erfolgreich gestillt hatten, kümmerten wir uns noch schnell um unseren Hunger und kehrten weder besonders gut noch besonders günstig ein. Gerne hätte ich noch mit all den anderen Touristen im Hafen einen Sundowner genommen, aber dass Risiko, eines unserer Kinder aus dem Hafenbecken fischen zu müssen („wenn ich jetzt nicht auch Jet Ski fahren darf, spring ich eben ins Wasser“) wuchs von Minute zu Minute, so dass wir die Sonne ihrem Untergang überließen und uns auf den Weg zurück zu Amalia machten.

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