Ich, Eltern & Collegas

Melli | So wurde ich bis zum Abitur von Allen genannt. Ich habe (soweit ich mich erinnern kann) nie darum gebeten, aber es hat sich so ergeben und es hat mich auch nicht sonderlich gestört. Im Studium schien das den Meisten auch am Eingängigsten, nur mein bester Studienfreund Kai, der nannte mich von Anfang an immer „Melanie“. Und weil das so ungewohnt für mich war, erschrak ich mich immer, wenn er es sagte, fand es streng und dachte, er sei jetzt wohl sauer. Im Laufe des Studiums verflüchtigte sich der Name langsam. Ich wurde immer mehr und öfter Melanie, bis ich mich irgendwann daran gewöhnt hatte. Seit mehr als 20 Jahren bin ich das jetzt und nur ein zwei Menschen, die ich schon wirklich lange kennen, sagten gelegentlich „Melli“ zu mir, was mir heute genau so fremd ist, wie damals im Studium „Melanie“. Aber die dürfen das – Gewohnheitsrecht. Nun habe ich da diesen neuen Job und die Menschen, die mit mir arbeiten sind junge Wilde, die mich wie selbstverständlich wieder vermellien. Und gerade beim Elternbeirat (dazu später mehr), sagte unser Vorstand auch einfach „Melli“, so als hätten wir zusammen auf der Kellertreppe gespielt. Ich kann so nicht und will so nicht, aber halte es selbst für ein bisschen kleinlich, wenn ich da jedes Mal insitiere, dass ich – Zefix!!! – die MELANIE bin.

Elterngedönse | Der Hort schickte vor etwa zwei Wochen eine Einladung zum Osternesterbasteln für heute Abend. Ich habe zwar weder eine besondere Affinität zu Ostern, noch zu basteln, aber die nicht so ganz unbegründete Befürchtung, hier auf dem Land verschütt zu gehen, wenn ich mich nicht ab und zu in Elterngedönse blicken lasse. Und da ich eben nicht Mittwochnachmittags in der Turnhalle oder Freitagnachmittags beim Reitsberger Hof sein kann, weil ich da nämlich arbeite, nehme ich dankbar die Events wahr, die in den Abendstunden liegen. Und für heute wäre es bis vorgestern Osternestbasteln im Hort gewesen. Leider kam vorgestern Abend dann aber die für mich überraschende Einladung des Elternbeirats, zur heutigen Beiratssitzung. Und so hatte ich quasi auf einmal zwei Highlight-Veranstaltungen, zwischen denen ich mich entscheiden musste. Die Nester haben leider verloren, der Beirat erschien mir wichtiger, wenngleich auch sicher nicht unterhaltsamer. Als Mutter eines Erstklässlers bin ich da definitiv ein new kid on the block, während die anderen schon alte Beiratshasen sind und nicht müde werden, in Erinnerungen zu schwelgen, wie dieses oder jenes im vergangenen Jahr gelaufen ist. Was mir hinreichend gleichgültig ist. Menschen, die im Beirat sitzen sind nach meinem ersten Eindruck eine spezielle Sorte Mensch. Und das Erschreckende an der Erkenntnis ist, dass ich nun ja Eine von denen bin, auch wenn ich mich als kaum anschlussfähig empfinde. Seit heute bin ich jedenfalls angekommen, denn ich bin nicht nur im Beirat sondern auch Teil des vierköpfigen Organisationskomitees für das Sommerfest, bei dem sich drei alte Hasen aussuchen, was sie wann machen und ein junge Hüpferin heute die Getränkeorganisation sanft über den Tisch geschoben bekam. Niemals hätte ich mir ausgerechnet diese Aufgabe selbst gegeben, denn sie involviert das telefonieren mit fremden Menschen, was ich grundsätzlich zu vermeiden versuche. Läuft.

Wonderland | Während ich grundsätzlich das locker und unkonventionelle Umfeld, in dem ich mich jetzt beruflich bewege, ganz erfrischend finde, merke ich an der ein oder anderen Stelle doch, dass ich in Konzernen sozialisiert wurde und außerdem keine zwanzig mehr bin. Befremdlich finde ich die sich anbahnende Erkenntnis, dass es offenbar Menschen gibt, die im Büro wie in einer WG leben. Und ich meine jetzt nicht, dieses Tag und Nacht im Büro Gehocke, wie es Berater gerne machen, weil der Partner beharrt und der Kunde drängt. Nein, ich meine das latent parasitäre Einnisten, das es sich gemütlich machen, das sich ganz wie zuhause fühlen. Das manifestiert sich in Kuchen und anderen Speisen, die wie selbstverständlich in der Etagenküche zubereitet werden – natürlic, ohne nachher wieder sauber zu machen. Es zeigt sich aber auch in überall herumliegendem Privatzeugs – von den Schuhen bis zur Turnhose -, in der Nutzung von Privat- statt Firmenrechnern für den Job und in einer unerschütterlichen, familiär-basisdemokratischen Sicht der Dinge.

Update | Die Krankheitenliste im Kindergarten ist weiter gewachsen. Stand heute gab es:

3 x Hand-Fuß-Mund
1 x Magen-Darm
1 x Mittelohrentzündung
1 x Lungenentzündung
2 x Bindehautentzündung
und weiterhin: mehrere Kinder mit Fieber

25 Frauen | Auch in diesem Jahr kürt Edition F (mit Handelsblatt und Zeit online) wieder 25 Frauen, die mit ihrer Stimme unsere Gesellschaft bewegen. Über 1000 Nominierungen sind eingegangen, seit gestern ist die Shortlist mit 50 Kandidatinnen draußen. Bis 31. März kann und sollte man nun abstimmen, wer die 25 Gewinnerinnen sind.

Titelbild: Public Domain Pictures via Pexels

2 Kommentare

  1. Den Wandel und das Ablegen von Spitznamen finde ich sehr interessant…. In unserer Oberstufe gab es neun Mädchen namens „Christiane“ – da war die Spitznamenfindung eine Herausforderung. Meinen damaligen Spitznamen nutze ich heute noch gern, um auf dem PC ein temporäres Verzeichnis anzulegen, das nicht „temp“ heißt. Sonst eigentlich nie.
    Schlimm finde ich Menschen, die ich kaum kenne, die mich aber mit einem ausgedachten Spitznamen als Abkürzung meines Vornamens bedenken. Nein – ich bin nicht „Chrissie“. Und ja – ich heißte Christine und nicht Christiane oder Christina.

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    1. Von den Abwandlungen meines Namens war „Melli“ noch mit das Erträglichste. Es gab außerdem „Kamelle“, „Vossi-Bär“, „Votz“ und später dann „Mel“ oder „Mel V.“ (was ich fast schon charmant fand).

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