Ladies day & ladies night

Ich, als ich (erst) ein paar Tage nach besagtem Spaziergang mit besagtem weisen Mann verstand, dass ich irgendwo unterwegs [ich habe die Stelle noch im Kopf] vom Baum der Erkenntnis genascht habe und jetzt nicht mehr zurück kann.

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Frauen | Heute ist internationaler Frauentag und es ist schön, wie das in meiner Filterblase für mich erkennbar – und hoffentlich weit über deren Grenzen hinaus – gemeinsam zelebriert wird. In Berlin ist dieser Tag sogar ein neuer gesetzlicher Feiertag und es bleibt zu wünschen, dass die übrigen 15 Bundesländern den Schuss nun auch nach und nach hören. Wir sind viele. Wir sind toll. Und im Herzen sind wir alle Löwinnen.

Leider gibt es an vielen neuralgischen Stellen entweder zu wenige von uns oder wir fehlen ganz. Es ist nicht nur die Ausnahme, uns in den Führungsetagen großer Unternehmen anzutreffen, auch bei den Start-ups dominiert das Testosteron.

Ich sage es ohne Umschweife: Mich stört das wie Hulle. Und mir will kein einziger objektivierbarer Grund in den Sinn kommen will, warum Frauen für das C-Level oder als Unternehmerin weniger gut geeignet sein sollten als Männer. Mir begegnen immer wieder Frauen, die – egal ob mit oder ohne Führungsposition – wahre Rolemodels und Leader sind, während ich auf der anderen Seite zahlreiche Männer kenne, die nur „Boss“ im Repertoire haben. [An solchen Stellen muss man aus sozialhygenischen Gründen immer erwähnen, dass es auch Ausnahmen gibt, als sei das nicht klar, dass es diese natürlich gibt. Und als könne man nicht über eine Regel sprechen, ohne gleichzeitig die Ausnahme zu zelebrieren.]

Weil mich der Frauenmangel an wichtigen Stellen jedenfalls ganz arg strört, denke ich gerade allein und gemeinsam mit anderen viel über die Ursachen dieser unglücklichen Gesamtsituation nach. Dabei kommen immer wieder ähnliche Ergebnisse raus: Frauen trauen sich oft nicht so viel (zu), sie stellen andere über sich selbst und sie tun sich schwer damit, gegen den Glaubenssatz zu verstoßen, ein gutes Mädchen sein zu müssen. Und natürlich könnten sie vielleicht auch sehr gut Overselling, aber sie wollen es erst gar nicht. Und das sind nur paar von Millionen Gründen, die Frauen davon abhalten, das Ruder in die Hand zu nehmen. Ich kenne und praktiziere sie alle. Und das ist nicht nur furchtbar schade, sondern auch total unnötig.

Gerade treibt es mich – auch aus Gründen beruflicher Zugwandtheit – vor allem um, dass es vergleichsweise wenige erfolgreiche weibliche Gründerinnen zu geben scheint. Erst heute las ich in einem T3N-Interview mit Jochen Kalka von der W&V, dass Frauen von Investoren weniger Geld bekommen, als sie verlangen, während Männer in der Regel mehr als das Verlangte bekommen und dass nur magere elf Prozent der Investoren überhaupt weiblich sind. Aus den USA gibt es Zahlen, dass lediglich zwei Prozent aller Startup-Investments dort in Frauenhände gelangen.

Und während ich immer frequenter und wütender vor mich hinsinnierte, wurde mir plötzlich klar, das es schon alleine aus Selbstzweck mein „Calling“ sein muss, an der Veränderung dieser tristen Situation aktiv mitzuarbeiten. Und – als angehende Coachin – Frauen, die gründen wollen dabei zu begleiten, das auch tatsächlich erfolgreich zu tun. Und das nicht dadurch, dass ich sie gründungsberate oder pitch-coache oder ihnen erkläre, wie die Jungs das machen, sondern dadurch, dass ich sie dabei begleite zu erkennen, dass sie sich selbst vertrauen und erhobenen Hauptes voran schreiten dürfen.

Stati | Wenn ich gerade nicht über mein Calling nachdenke, beschäftige ich mich viel mit meiner finanziellen Situation (Vorsicht, Tabu!) und dem Thema Nachhaltigkeit (Vorsicht, freakig!) und um mich bei diesen beiden Themen selbst ein bisschen herauszufordern, gibt es ab sofort einen täglichen Statusbericht zu Beidem.

  • Pekuniäres | Ich führe seit Februar ein digitales Haushaltsbuch (Money Control) und bin da wirklich sehr akribisch. Der Erkenntnisgewinn ist enorm, der Effekt auf mein Shoppingverhalten leider noch nicht. Aber ich bleibe vorsichtig optimistisch. Heute habe ich dann auch prompt drei Domains gekündigt, die ich seit Urzeiten besaß und die ich für nichts genutzt habe, außer dafür, das Gefühl zu haben, dass ich sie irgendwann für Millionen würde verkaufen können. Ha. Ha. Ha. foodcounter.de, familievent.de und familevent.com sind jetzt wieder zu haben. Bitte, gerne.
  • Nachhaltiges | Der Mann und ich sind inzwischen große Freunde der vietnamesischen Küche, können uns aber leider bislang keinen vietnamesischen Koch leisten. Daher weichen wir bisweilen auf ein vietnamesisches Restaurant ins unsere Nähe aus, wo wir aber üblicherweise „to go“ bestellen, weil unsere Kinder gerade nicht unbedingt in einem Restaurant-kompatiblen Alter sind. Weil Vietnamese-to-go im Standard aber genau keine Schnittmenge mit Nachhaltigkeit hat, bestelle ich dort wegen der massiven Müllmengen inzwischen gar nicht mehr so gerne. Heute aber waren wir schlau wie Füchse und der Mann hat einfach ganz viele heimsiche Behälter mit ins Restaurant genommen und sie dort auffüllen lassen. Uns hat das beide mächtig stolz gemacht, auch wenn hier im Ort jetzt endgültig jeder denkt, dass wir Nerds oder Hippies sind. Dabei schmeckte das Essen so ganz ohne Müll gleich noch viel besser.

Titelbild: Zun Zun via Pexels.

4 Kommentare

  1. Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich denke, dass es vielen anderen Frauen auch so geht: Ich habe mich nie selbständig gemacht, weil ich das Risiko scheue. Mir ist der Spatz da lieber in der Hand. Im Angestelltenverhältnis bin ich zwar nie 1000% glücklich. Aber ich habe eine gewisse Sicherheit und dadurch den Kopf frei, mich in meiner Freizeit anderweitig zu verwirklichen. Ich brauche diese Sicherheit für mich und mein Kind – der Kindsvater hat sich nicht nur in finanzieller Hinsicht als sehr unzuverlässig herausgestellt und ich bin froh, dass ich mir um Finanzen keine Sorgen machen muss.

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    1. Mir geht es was das Risiko betrifft, genau wie Dir. Ich würde auch nicht behaupten, dass ich schon lange einen Drang verspüre, Unternehmerin sein zu wollen. Aber ich unterstelle, dass es viele Frauen gibt, die das möchten und dass sie es könnten steht außer Frage, aber es liegen da ein paar große Steine auf dem Weg und wenn ich dabei helfen könnte, ein paar davon wegzuräumen, dann wäre ich schon sehr glücklich.

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  2. Du triffst mit diesem Beitrag in vielerlei Hinsicht den Nagel auf den Kopf. Die Situation von Frauen in Startups, bei der Gründung etc. ist dramatisch verbesserungswürdig. Da ist noch viel Wegstrecke zu gehen. Gleiches gilt aber, auch von Dir beschrieben, auch auf der Seite der Investitionen zu. Dabei ist es nicht so schwer sich zu engagieren.

    Und die Gedanken der Nachhaltigkeit: Wunderbar. Hier ist es unter anderem der Beutel, der die Brötchentüte spart. Daneben das Projekt Plastikfrei einkaufen (nahezu unmöglich). Aber: Kleinvieh macht auch Mist.

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    1. Ich höre immer wieder, dass Gründerinnen bei der Suche nach Investoren scheitern und ich sehe da wie Du, viel Luft nach oben.

      Was die Nachhaltigkeit betrifft: Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Babystep hilft. Insbesondere, wenn nicht nur eine*r diesen Babystep machen sondern viele.

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