Ganoven, Gefährten & bunte Vögel

Entschuldigt bitte, dass aus uns gestern nichts mehr geworden ist – ich war verhindert und werde heute dafür doppelt liefern. Als kleine Wiedergutmachung werde ich selbstverständlich erzählen, was mich vom Schreiben abgehalten hat. Ist doch ein fairer Deal, oder?

Rumgereise | Nachdem ich Sonntag erst aus Osnabrück zurück gekommen bin, bin ich gestern morgen gleich wieder in den Zug gestiegen – diesmal mit Ziel Hamburg. Vermutlich hätte ich das ob der Nähe dieser beiden Städte auch ein bisschen geschmeidiger planen können, aber auf die Art habe ich wenigstens meine Familie einen Abend sehen können und dafür hat sich der kleine Umweg über Zuhause gleich dreifach gelohnt. Warum ich überhaupt in Hamburg war, wollt Ihr vermutlich ganz dringend wissen und ich werde es Euch erzählen, aber schön der Reihe nach.

Ohrenschmaus | Die Zugfahrt nach Hamburg dauerte rund sechs Stunden und hatte damit viel Potenzial, furchtbar langweilig zu sein. Glücklicherweise stolperte ich aber beim Kontemplieren über ein Instagram-Post von Andrea, die aufs Heftigste von dem Podcast „Die Zeit – Verbrechen“ schwärmte, was mich wegen meines Hangs zu Abgründen natürlich gleich neugierig machte. Dank stabilem WLAN habe ich also gleich zugeschlagen und mir ein paar Folgen heruntergeladen. Und was soll ich sagen: Es war Liebe auf den ersten Lauscher. Sabine Rückert und Andreas Sentker sprechen in Interviewform über echte Kriminalfälle und deren Hintergründe. Sehr ansprechendes Format, sehr schöne Einblicke, sehr angenehme Stimmen und das Ganze ohne Effekthascherei und Sensationslust. Nochmals danke für den tollen Tipp liebe Andrea!

Smørrebrød | Spätestens seitdem ich in meiner ersten Elternzeit häufig (nachts) auf Pinterest unterwegs war, habe ich ein großes Faible für skandinavisches Interior-Design entwickelt, was sich inzwischen auch nicht gerade subtil bei unserer Einrichtung bemerkbar macht. Das Mekka für skandinavischen Designerkrams ist das legendäre „Illums Bolighus“ in Kopenhagen, das ich während meiner beiden Kopenhagenbesuche mit einer vollen Wunschliste betrat und mit leeren Hände verließ, weil mir bei so viel tollen Dingen, die ich UNBEDINGT brauche, mal wieder meine chronische Entscheidungsinsuffizienz ins Gehege kam. Glücklicherweise muss ich nicht immer bis Kopenhagen reisen (wobei ich das allerdings ausnehmend gerne tue), um in Illums Bolighus nichts zu kaufen, denn seit ein paar Jahren haben sie auch eine Dependance in Hamburg, die ich natürlich gestern direkt nach meiner Ankunft im Schweinsgalopp aufsuchte. Und was soll ich sagen: Auch das Illums Bolighus in Hamburg konnte den Bann nicht brechen, macht aber auch nichts, denn ein Laden, der mir das einzigartige Shopping-Hochgefühl gibt, ohne dass ich dafür irgendetwas kaufen muss, ist natürlich eine ganz schön clevere Sache – also für mich. Übrigens gibt es dort neben Einrichtungsgegenständen auch Kleidung und die ist gerade größtenteils ON SALE. Also falls Ihr entscheidungsfreudiger seid ….

History repeating | Vor vielen Jahren, genauer gesagt, als ich noch Studentin war, habe ich im Callcenter einer Bank in Bonn gearbeitet. Das war ein außergewöhnlich guter Studentenjob und hat mir letztendlich nach dem Studium auch zur ersten Festanstellung verholfen. Was an dem Nebenjob jedoch besonders bemerkenswert war, war der Zusammenhalt der Leute dort – in der Form habe ich das nie wieder erlebt. Wir waren Pioniere – Pioniere, die außerdem noch hervorragend feiern konnten. Zu vielen der Kollegen mit denen ich damals zusammen gearbeitet habe, habe ich heute noch Kontakt, einige sind enge Freunde geworden. Einer der Kollegen, mit denen ich damals sehr eng verbunden war, hat nun vor rund sieben Jahren dem Bankerleben den Rücken zugekehrt und hat in Hamburg einen Club eröffnet. Und da ich aus Gründen einen freien Abend in Hamburg hatte, verspürte ich Lust und Neugier, ihn nach über 15 Jahren des Nichtsehens in seinem „Club 20457“ zu besuchen. Es war ganz erstaunlich, denn nach einer kleinen Aufwärmphase (und ein paar kuriosen und traditionellen Club-Drinks) war es fast wie früher – außer, dass wir unwesentlich älter geworden sind. Ich hatte solchen Spaß, dass ich mich selbst zur Räson rufen musste, das Feiern nicht zu übertreiben – denn ich war ja in Hamburg auf Mission. Danke lieber Toni für den spektakulären Abend, ich komme bestimmt wieder!

Gründe | Auch wenn ich in Hamburg also erstaunlich gut nicht shoppen und mit Hafencity-Clubbesitzern in Erinnerungen schwelgen kann, bin ich natürlich nicht deswegen nach Hamburg gekommen, sondern wegen Martina. Martina ist eine ganze reizende und sehr talentierte, junge Schwedin, die etwa einmal im Jahr nach Hamburg kommt und mich netterweise über diesen Umstand immer frühzeitig informiert. Außerdem ist Martina die Tätowiererin, die ich vor mehr zwei Jahren auf Instagram entdeckt habe und von der ich damals gleich auf Anhieb dachte: „Wenn ich mir irgendwann mal mein nicht mehr ganz so schickes Jugendsündentattoo up-covern lasse, dann von der!“ Und wie es das Schicksal so wollte, schrieb sie im Oktober 2017 auf ihrem Instagram-Account, dass sie demnächst in Hamburg sei und noch einen einzigen freien Termin hätte – just an meinem Geburtstag. Damals habe ich nicht lange überlegt und mir selbst ein kleines Geschenk gemacht. Nicht ohne Grund sagt man, dass beim Tätowieren immer die Gefahr besteht, dass es einen packt. Und obwohl ich schmerzaushaltetechnisch total „Mimimi“ bin, war mir klar, dass Martina und ich uns wiedersehen würden. Nun haben Martina und ihr Freund im letzten Jahr ihr eigenes Studio in der Nähe von Stockholm aufgegeben und reisen seit dem tätowierend durch die Welt (hauptsächlich durch Asien) und so war das mit dem Wiedersehen natürlich nicht ganz so einfach. Aber heute hat es dann tatsächlich geklappt: Martina ist für wenige Tage zu Gast bei The Black Hole Tattoo in Hamburg und ich bin wieder etwas bunter geworden. Thanks a bunch, Martina, it was a great honor and a – slightly painful – blast and I look forward to seeing you next time.

Titelbild: Klaus via Pexels

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