Blues, Monster & vielerlei Gemüse

Dunkle Tage | Es gibt so Tage, vornehmlich in Wintern, die machen nichts Gutes mit mir. Heute war so ein besonderer Tag, den ich besonders gerne auch in ein paar Stunden für beendet erklären möchte. Woran es liegt, ich weiß es gar nicht so genau. Zu wenig Licht. Zu viel im Haus. Gereizte Kids. Ein selbst auferlegtes Schokoladenverbot. Muskelkater aus der Hölle. Und dann auch noch eine OP bei einem wichtigen Menschen. Nichts Schlimmes zwar, aber Vollnarkosen machen mir immer ein latent mulmiges Gefühl. Es kann an solchen Tagen kein Zufall sein, dass mir beim Kochen am Abend dann noch die tränenreich geschnittenen Zwiebelwürfel runterfallen und es sich auf dem Küchenfußboden gemütlich machen…

Schnibbeln | Eingeweihte wissen, dass der Mann viel lieber kocht als ich und so ist es eigentlich eine Seltenheit, dass ich ins große Schnibbeln verfalle. Aus ernährungsumstellungsbedingten Gründen ist es mir aber aktuell ein großes Bedürfnis viel Gemüse zu mir zu nehmen und so ist es mir heute tatsächlich passiert, dass ich an einem Tag gleich zweimal ans Frankfurter Brett musste, das der Mann übrigens vom Christkind bekam. Heute Mittag gab es eine Gemüsesuppe, bei der ich mich im Rahmen dessen, was der Kühlschrank hergab, an einem Rezept der bezaubernden Madame Cuisine bediente. Am Abend gab es eine vegane Bolognese auf Blumenkohlbasis, die nach meiner anfänglichen Skepsis, gefolgt von einer hingebungsvollen Würzorgie von allen Familienmitgliedern als außerordentlich wohlschmeckend gepriesen wurde.

Grüner Daumen | Ich kann eigentlich nicht sehr gut mit Pflanzen. Aber es gibt da diese eine Pflanze, genauer genommen eine Strahlenaralie, die mich seit 30 Jahren begleitet. Meine Urgroßmutter hatte sie damals ausgemustert, weil sie an einem langen Stiel nur noch ein einziges Blatt hatte und somit für die Auslage auf Fensterbank nicht mehr geeignet war. So übersiedelte sie in den Hof und rückte von Tag zu Tag näher an die Mülltonne heran. Da sie aber noch dieses eine Blatt hatte, war sie streng genommen ja noch nicht tot und so nahm ich das glücklose Pflänzchen in meine Obhut. Und seither begleitet sie mich auf all meinen Wegen und ist inzwischen elf Mal mit mir umgezogen. In den 30 Jahren trug sie ihr Blattkleid mal üppig, mal etwas gekappt oder gerupft, aber sie war nie in ernsthafter Gefahr. Bis ich sie letzten Sommer auf die Terrasse gestellt hatte und sich allerlei Getier zu intensiv mit ihr beschäftigte. Da waren Ameisen und irgendwelche anderen Schädlinge, die ihre Blätter verklebten. Eine ausweglose Situation, so dass ich mich schweren Herzens entschloss, die Pflanze zu entsorgen – sie machte längst schon keinen besonders lebensbejahenden Eindruck mehr. Ein kleines Stück vom oberen „Stamm“ mit ein paar kleinen Trieben bewahrte ich jedoch auf, in der Hoffnung, dass sich daraus noch ein Ableger züchten ließe. Ich stellte das Stück Pflanze in ein Wasserglas und tatsächlich – nach ein paar Wochen bildeten sich kleine Wurzeln und nach ein paar weiteren Wochen waren sie so kräftig, dass ich es wagte, die einzutopfen. Was für eine Kämpferin! Sie bekam ein sonniges Plätzchen am Küchenfenster, wo sie nun seit ein paar Monaten zufrieden wohnt. Vor ein paar Tagen tummelten sich plötzlich rund um das immer noch kleine Pflänzchen zahlreiche Fliegen und als ich sie aus dem Übertopf hob, schossen mir aus der Blumenerde immer mehr davon entgegen, die fortan in großen Trauben durch unsere Küche tobten. Es handelt sich um Trauermücken, verriet mir eine Suchmaschine meines Vertrauens. Das Einfachste wäre jetzt wohl gewesen, die Pflanze samt Trauermücken vor die Tür zu stellen, aber bei den Temperaturen hätte das ihren sicheren Tod bedeutet. Der Schwefel aus Streichholzköpfen solle die Viecher angeblich vertreiben, wenn man diese in die Erde steckt, behauptete das Internet. Empirisch kann ich das nicht bestätigen. Der nächste Tipp waren sogenannte Gelbsticker, eine insektizidfreie Klebefalle. Und tatsächlich: Nachdem ich gestern alle Blumentöpfe vor dem Küchenfenster mit Gelbstickern gespickt habe, fliegen deutlich weniger Trauermücken durch die Lüfte als auf den Stickern kleben. Das Fenstersims hat sich binnen weniger Stunden zum Trauermückenfriedwald gewandelt. Das ist mir aus friedliebenden Gründen zwar auch nicht so richtig Recht, aber wer meine Strahlenaralie so hinterlistig angreift, der muss mit Konsequenzen rechnen.

Titelbild: Pixabay via Pexels

4 Kommentare

  1. Ja, diese Gelbsticker sind ungemein hilfreich, kann ich von Balkonien berichten. Und hoffentlich ist morgen ein besserer Tag für dich!

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