Kleine Eichhörnchen & alte Helden

Dosen | Ein tägliches Krisenthema bei uns zuhause ist die richtige Dosierung des Medienkonsums. Denn einerseits sind wir als Digitalarbeiter*innen selbst wirklich nur selten offline und damit kein richtig gutes Vorbild für wohldosierten Konsum, andererseits macht uns aber das sich bereits entfaltende Suchtpotenzial von Fernseher & Co. wahnsinnig. Wie schon mal erwähnt liebt der kleine Kleine Herr die Paw Patrol heiß und innig und würde den Hundehelden am liebsten rund um die Uhr beim Fellfreund-Boogie zuschauen. Dass er die Folgen ulkigerweise seit etwa einer Woche nur noch auf Englisch anschauen will, was er allerdings für Schweizerdeutsch hält, macht es leider auch nicht viel besser, dass er gerade viel zu viel in die Röhre guckt.

[Oh ja, Rob Vegas, ich weiß genau, was Du meinst. Sehr genau..]

Der große Kleine Herr spielt im Moment am liebsten Minecraft, baut dort Tunnel und Treppen, züchtet Fische und macht Honig. Der Mann hat dafür sogar ein kleines internes Netzwerk eingerichtet und hin und wieder feiern die Beiden eine Minecraft-LAN-Party. Grundsätzlich supertoll, aber auch das nimmt gerade überhand.

Gerade im Winter, wenn es draußen nicht immer einladend und noch dazu früh dunkel ist, bedeuten Fernsehen und Computerspiele natürlich einen willkommenen Zeitvertreib für die Kinder und eine nicht weniger willkommene Auszeit für die Eltern. Und diese Dinge ganz abzuschaffen wäre natürlich – gerade für uns – totaler Quatsch. Dennoch finden wir, dass wir ein System brauchen, das den Kindern hilft, bewusster damit umzugehen als im Moment, wo der Medienkonsum eher ein Automatismus als eine bewusste Entscheidung ist.

Ein nicht ganz störungsfreies Brainstorming und eine nächtliche Bastelaktion des Mannes später, ziert nun seit gestern diese Medienkiste unser Wohnzimmer.

Das Prinzip ist einfach: Jeder der beiden Kleinen Herren hat je drei Fernseh- und drei Computerspiel-Gutscheine à 30 Minuten, die sie beliebig in Anspruch nehmen können. Das funktioniert natürlich nur mit ein paar einfachen Regeln:

  • Gutschein dürfen unter der Woche jeweils in der halben Stunde vor dem Abendessen und beim Großen zusätzlich noch nach dem Abendessen eingesetzt werden. Nach Hort und Kindergarten ist erstmal Analogspielzeit.
  • Pro Kind darf von jeder Sorte nur je ein Gutschein pro Tag eingesetzt werden.
  • Setzt ein Kind einen Fernsehgutschein ein, wählt dieses Kind die Sendung – das andere Kind darf, wenn es möchte, mitschauen.
  • Verbrauchte Gutscheine wandern durch den Schlitz in die Kiste, Reset ist jeweils am Sonntag.

Die Kinder dürfen so ingesamt – wenn sie kooperieren – drei Stunden pro Woche Fernsehen schauen und je anderthalb Stunden pro Woche mit dem Computer oder dem iPad spielen. Ob das nun zu viel oder zu wenig ist und ob es überhaupt sinnvoll ist, dass beide gleich viele Gutscheine bekommen, müssen wir nun ausprobieren. Primär geht es uns ja vor allem darum, mehr Bewusstsein in das Thema zu bringen.

Basteln mit Wastel, Teil 2 | Wo wir uns ohnehin gerade im Bastel- und Familienproblemlösungsmodus befanden, haben wir dann gleich noch ein zweites Evergreen-Problem (hoffentlich) gelöst. Eigentlich soll nämlich der große Kleine Herr jeden Montag ein kleines Taschengeld bekommen, was wir aber leider ziemlich beharrlich vergessen. Und wenn wir dann (nach Wochen) doch mal daran denken, bekommt er gleich einen größeren Batzen, der dann mal ins Regal, mal auf den Tisch und deutlich seltener mal in sein Portemonnaie wandert. Auch im Nirwana wurde übrigens schon Münzgeld gefunden. Da das Taschengeld für den Großen explizit zur freien Verwendung gedacht ist und er entsprechend auch dran kommen soll, brauchten wir eine „Sammelstelle“, die einfacher zugänglich ist als seine herkömmliche Spardose, die eben zum Sparen dient. Außerdem sollte sie auch für uns Eltern so präsent wie möglich sein, um uns täglich mit erhobenem Zeigefinger an unsere Zahlungsverpflichtungen zu erinnern. Nun habe ich im Schweiße meines angesichts zwei (klar, dass hier alles mit gerechten Dingen zugehen muss, aus Gründen) leicht zu öffnende Dosen bebastelt, die nun mitten im Wohnzimmer aufgestellt sind. Und nun hoffen wir, dass nun der Geldfluss pünktlich und gerichtet stattfinden wird.

(Zusätzlich habe ich dem Mann und mir jetzt einen wöchentlichen Alarm eingestellt – weil der Teufel ja bekanntlich ein Eichhörnchen ist.)

Apropos | Vielleicht ist es für die eine oder den anderen von Euch ja schon länger befremdlich, wie viel ich an dieser und anderer Stelle über mich und mein tägliches Leben ins Internet schreibe. Das ist natürlich nachvollziehbar, insbesondere, wenn Ihr selbst nie auf die Idee kämt so etwas zu tun. Ich teile gerne Ideen, Anekdoten und Geschichten mit Euch, aber natürlich ist das in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil meines Lebens und eben auch nur das, was ich preiszugeben bereit bin. Und natürlich ist die Art und Weise, wie ich Dinge beschreibe und aufbereite eine von mir gesteuerte Inszenierung. Anna-Lena hat dazu gerade einen tollen Artikel auf LinkedIn geteilt, den ich Euch nicht vorenthalten möchte. Der Autor, Tyler Coats, bringt es darin sehr gut auf den Punkt:

„Everything you know about someone based on what they put on the internet represents about 20 percent of who he or she really is, while the other 80 percent is not actually present in that online persona. On the other hand, the 20 percent you put out there can be perceived as 80 percent of your inner life, maybe even more.“

Wenn Ihr das im Hinterkopf behaltet, wenn Ihr bei mir und Anderen mitlest, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehe)

Fantastisch | Es ist bewundernswert und abgefahren und gigantisch und einfach auch schlicht krass, was die Fantastischen Vier nach knapp 30 Bühnenjahren immer noch abliefern. Gestern Abend durften wir uns beim Konzert in der Münchner Olympiahalle davon selbst (endlich) ein Bild machen. Auch letztes Jahr um dieselbe Zeit hatten wir Karten für das Fanta4-Konzert, aber damals waren die Kinder am Konzerttag krank und die Jungs haben andere Menschen weggeflasht. (Konzertkarten für die Fantas gehen übrigens weg, wie geschnitten Brot: Wir haben unsere Karten beide Male vierzehn (!) Monate vor dem jeweiligen Konzert gekauft.) Dass die in dem Alter noch so lange im Voraus planen….

Nach der Intro durch den Vorab-DJ (die wir glücklicherweise zur Hälfte verpassten, da wir zusammen mit gefühlt 20.000 Anderen an der Garderobe warteten) begann das Konzert pünktlich um 20 Uhr und endete erst knapp zweieinviertel Stunden später.

In dieser Zeit haben die Fantas dann wirklich alles richtig gemacht. So gab es eine sehr gute Mischung aus alten und neuen Liedern, so dass auch für weniger hartgesottene Fans wie uns immer was zum mitsingen dabei war.

„Es ist nicht jedermanns Sache, aber es ist definitiv der Höhepunkt des heutigen Abends. Also bringen wir es hinter uns.“

Smudo über „Sie ist weg“

Was die Fantas wirklich besonders macht, ist die Wahsinns-Energie mit der sie ihre Songs performen. Smudo, DJ Hausmarke und Thomas D. sind wie überdimensionierte Flummis mehr als zwei Stunden über die Bühne gehüpft, ohne ein Zeichen der Erschöpfung! Lediglich die ebenso beeindruckende wie bedeutungsschwangere T-Shirt-Kollektion, die sie uns en passant präsentiert haben, deutete ein wenig auf diese wahnsinnige körperliche Leistung hin. Ich ziehe da meinen Hut. Ich bin eine knappe Hand voll Jahre jünger als diese Herren und bereits nach 30 Minuten Yoga einigermaßen erschöpft.

Die Interaktion mit dem Münchner Publikum war absolut toll. Während eines Songs hat Smudo sich unters Volk gemischt und ist in der Arena spazieren gegangen. Und das ist genau das, was ich an dem Smudo so mag, der ist so echt und so bei sich.

Da mich schon seit geraumer Zeit die Frage beschäftigte (gleichwohl nicht besonders intensiv, sonst hätte ich vermutlich gegoogelt), wer eigentlich der fantastische Vierte im Bunde ist, habe ich mich gefreut And.Ypsilon auch mal „kennenzulernen“, für den das Publikum wirklich frenetisch applaudierte.

Ich bin zwar nicht vom Fach, aber zusammenfassend darf ich sagen, dass das ein absolut sehens- und erinnernswertes Konzert war, vermutlich Top 10, wobei ich da noch mal über meine Bücher gehen muss.

Wenn ich also überhaupt etwas am heutigen Abendprogramm zu bemängeln habe, dann sind es Kleinigkeiten. Vorenthalten möchte ich Euch meinen Rant aber natürlich nicht:

  • Dass Menschen im Winter sehr wahrscheinlich, sehr zahlreich Jacken abgeben möchten, scheint mir vorhersehbar. Dass man dann bei ausverkauftem Haus die Garderoben teilweise mit nur je einer Kraft bestückt, ist ziemlich doof kurzsichtig, findet Ihr nicht liebe Veranstalter?
  • Und bitte warum müssen sich diese armen Menschen mit ihren riesigen Bauchläden und ihren Schildern in Minutentakt durch die tanzende Masse quetschen und Longdrinks in Halbliter Plastikbechern verkaufen? Mir scheint das auf so viele Arten falsch. Und wenn ich ihre Blicke richtig deutete, geht es den Bauchladenmenschen nicht anders.
  • Und nur für den Fall, dass Ihr mal total lustig sein wollt: Fremde Typen, die Dir anbieten, ein Foto von Dir zu machen und dann lachend mit Deinem iPhone in der Hand abziehen (und dann aber wiederkommen), nur um Dir zu zeigen, wie dumm es von Dir war, das Handy aus der Hand zu geben, können übrigens weg.

Titelbild: FreeNatureStock via Pexels

Ein Kommentar

  1. Hi Melanie,
    ich habe die Fantas letzten Donnerstag in Frankfurt gesehen und kann Dir nur zustimmen: Große Klasse! In der Festhalle gab es zwar keine Handyflitzer, dafür Bier-Alle-voll-Spritzer…schon merkwürdig, was manche Konzertbesucher witzig finden… Die Akustik war leider auch nicht so dolle – bei der existenziellen Entscheidung Sauerstoff und Platz oder mittendrin und voll was auf die Ohren, hatten wir uns für Ersteres entschieden…muss das Alter sein 🙂 ABER: Es gibt am Wiedersehen: Die Fantas sind auch in diesem Jahr wieder auf der Loreley dabei – und wir sind es auch! #DannisteswiederFantazeit

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