Socken, Steine & Südtiroler Schinken

Nachtrag von Dienstag, dem 8. Januar 2019

Gebirgsjäger | Wenn es eines gibt, das mir die gewachsene Anzahl von Menschen in diesem Haushalt täglich aufs Neue vor Augen hält, dann ist es das Wyssensche Wäschegebirge . Es ist ein unwirtliches Hochgebirge mit eisigen Gipfeln, schroffen Felswänden und tiefen unergründlichen Tälern. Dort gibt es unsortierte Schmutzwäscheberge (alles 8.000er), kann-man-nochmal-anziehen-aber-wirklich-keinen-Bock-in-den-Schrank-zu-legen-Hügel, sortierte Schmutzwäscheberge, Berge noch zu faltender, gewaschener Wäsche (je nach Stimmung zwischen 4.000 und > 8.000 Metern), vornehmlich aus Einzelstücken bestehende Sockenberge, Bügelwäscheberge (inzwischen meine Liebsten) und schließlich noch die Berge bereits gefalteter Wäsche, die noch weggeräumt werden muss. Auch wenn sich diese Berge in Natur und Höhe stark unterscheiden, eint sie doch die tiefe Abneigung, die ich gegenüber allen von ihnen empfinde. Heute habe ich mir die intensiv mit dem Faltwäscheberg dadurch versüßt, dass ich mir dabei Der Vorleser anschaute, mit zwei Konsequenzen:

  1. Leicht tränenfeucht (und das ist jetzt total untertrieben) lässt sich die Faltwäsche deutlich besser bewältigen.
  2. Ich eruiere die Vor- und Nachteile des Nudismus für unseren Familenfrieden.

Ich kann was, was Du nicht kannst | Ich habe nicht viele Talente, über die ich so offen zu reden bereit bin, aber meine Gabe, mir Steine in den Schuhe zu laufen, darf ich den geneigten Leser*innen einfach nicht vorenthalten. Und ich rede jetzt nicht von ein paar winzigen Steinchen in FlipFlops – denn das kann ja nun wirklich jeder. Nein, ich meine gefühlte Tonnen von kleinen und größeren Steinen, die ihren Weg nicht nur in Halbschuhwerk sondern sogar in Stiefel jedweder Höhe finden, um mich dort aufs Gemeinste zu piesacken. Und jetzt wird wahrscheinlich noch deutlicher, warum der andauernde Schneefall mir so großes Unbehagen bereitet: Geschätzt landet ein gutes Drittel des nun reichlich ausgestreuten Splits irgendwann in meinen Schuhen.

Fetzen | Ich stelle zunehmend fest, dass ich nicht nur in der olfaktorischen sondern auch in der auditiven Wahrnehmung leicht hypersensibel bin, was bei mir zwangsläufig dazu führt, dass ich schlecht bis gar nicht weghören kann. Solange ich also aus der Stimmen- und Geräuscheflut noch einzelne Elemente heraushören kann, fängt mein Gehirn nahezu automatisch an, sich mit ihnen zu beschäftigen. Und wo war ich heute in der S-Bahn auch bei folgendem Telefonat einer Frau, die eine Sitzgruppe weiter saß, ganz bei der Sache:

„Also ich würde dann später vorbei kommen und noch Speck für die Nudeln mitbringen. Spaghetti hast Du ja noch.“

„Ja, der Kaufhof hat da eine wunderschöne Auslage. Südtiroler Schinken ist das.“

„Du hast nur noch eine halbe Paprika und ganz wenig Chicorée.“

„Ja, ich komme dann um 17 Uhr 45. Bis dann.“


Was ulkig ist: Immer dann, wenn die einzelnen Geräuschimpulse zu einem Geräuschbrei verschmelzen, finde ich im Lärm sogar mehr Ruhe als ohne ihn.

Stationär | Ich muss zu meiner Schande gestehen, das ich in den letzten Jahren alles was über die Dinge des täglichen Bedarfs hinaus geht, online shoppe. Das hat vielerlei Gründe, von denen Bequemlichkeit wirklich nur einer ist. Wenn ich mich aber doch mal dazu aufraffe, analog durch Geschäfte zu bummeln, dann sind es ganz oft Buchläden, die eine große Strahlkraft auf mich haben. Heute war ich mal wieder bei Literatur Moths, meiner persönlichen Königin des stationären Buchhandels. Der Laden ist nicht besonders groß, aber ich könnte mich stundenlang dort aufhalten, mal dieses und mal jenes Buch in die Hand nehmen und mich an den tollen Einbänden satt sehen. Ganz oft muss ich mich zum gehen zwingen, weil das Herumlungern in einem solch kleinen Laden natürlich zwangsläufig auffällt. Heute ging ich aber nicht allein, sondern in Begleitung von „Serotonin“ von Michel Houellebecq, das mich schon gleich auf den ersten Seiten wieder köstlich unterhielt.

Vertrauenskaffee | Schräg gegenüber des oben gepriesenen Buchladens liegt übrigens die Kaffeerösterei Vits, bei der wir schon seit vielen Jahren unseren Kaffee kaufen. Aktuell ist bei uns der Guatemala Antigua im Ausschank, den ich sowohl für den Siebträger als auch für die Filterkaffeemaschine empfehlen kann. Bei Vits lässt es sich übrigens auch herrlich Kaffee trinken und sein und das – dank Kinderspielecke – auch gerne mal zusammen mit der ganzen Familie.

Titelbild: Ir Solyanaya via Pexels

3 Kommentare

  1. super interessant geschrieben…lese vergnügt Deine Bloogs….weiter so, damit mann/frau noch viel zu lesen hat….

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    1. Merci, liebe Lisa. Ich gebe mir Mühe, aber glücklicherweise passiert hier ja immer auch eine ganze Menge 😉

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